Ethical Food: Jeden Tag unverfälscht

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Rund 50 Nährstoffe braucht der Körper zum Leben, Arbeiten, Gesundbleiben und sich Wohlfühlen. Jeder weiß, dass Vitamine und Mineralien ebenso dazu gehören wie Ballaststoffe und Kohlenhydrate aus Vollkorngetreide oder Hülsenfrüchten. Auch die Low-Fat-Empfehlungen sind bekannt: Mit tierischen Fetten sparsam umgehen, nicht aber mit hochwertigen Fettsäuren aus frischem Fisch, Ölen und Nüssen.

Für die meisten Menschen ist es nach wie vor schwierig, eine Ernährung konsequent beizubehalten oder überhaupt umzusetzen, die sich mit „vernünftig, gesund, verantwortungsbewusst, ökologisch nachhaltig und unverfälscht“ etikettieren lässt. Und doch zeigen die Lebensmittelskandale der jüngeren Vergangenheit langsam Wirkung: Der Trend geht endlich in Richtung Slow Food beziehungsweise „Ethical Food“ – das eine wie das andere ist regional, saisonal, artgerecht, frisch, fair, einfach gut; zumindest bei jenen, die sich mit „Ernährungsbildung“ beschäftigen und beim Fleisch-, Fisch-, Obst- und Gemüseverbrauch automatisch die politisch-ethisch-moralischen Aspekte im Blick haben.

Zeitgemäß in diesem Sinne ist die gute alte mediterrane Kost. Auch wenn sie in ihrer traditionellen Form und Wirkung kaum noch anzutreffen ist, weil die Qualität verfügbarer Lebensmittel sich verändert hat und weil auch am Mittelmeer schon länger Fastfood konsumiert wird, so zeigen alle Studien doch die wesentliche Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung für den menschlichen Organismus.

Jenseits von magischen Spezialdiäten

Die Mind Body Medicine legt ihren Schwerpunkt auf die vollwertige Mittelmeerküche, einer Kombination aus traditioneller mediterraner Ernährung und der in Deutschland entwickelten Vollwerternährung nach Leitzmann. Prof. Dr. Claus Leitzmann, Gießen, ist sozusagen der Vater der vegetarischen und nachhaltigen Ernährung.

Da jedes Jahr eine neue Ernährungsform durch die Medien getrieben werden muss, wird neuerdings die Variante der „traditionellen nordischen Küche“ propagiert, die sich an der Mittelmeerküche orientiert, aber auf „nordische Lebensmittel“ wie Kohl, Beeren, Äpfel, Birnen, Muscheln und Algen setzt. Und „Clean Eating“ ist nichts anderes als obst- und gemüselastiges Vollwert-Food mit hippem Namen.

All die immer neuen Ideen verschleiern letztlich eine schlichte Wahrheit: An den Empfehlungen für eine gute Ernährung hat sich nichts geändert. Sofern die Trends allerdings dabei helfen, dass sich gerade junge Menschen mit dem Thema gesunde Ernährung auseinandersetzen, ist alles gut. Denn eine bewusste, nährstoffreiche Ernährung mit nicht mehr als drei Mahlzeiten pro Tag bleibt grundsätzlich herausfordernd, ist aber Medizin.

Die Anzahl der Studien, die eine Ernährungsumstellung in Richtung „Back to basics“ als Gewinn für die ganzheitliche Gesundheit dokumentieren, ist unüberschaubar. Für Patienten, die an ernährungsabhängigen Krankheiten leiden, ist es deshalb wichtig, eine Ernährung zu finden, die jenseits von magischen Spezialdiäten

  • dauerhaft dabei hilft, gesund und schlank zu werden respektive zu bleiben;
  • keine Ge- und Verbote kennt;
  • auf Diätpläne und Cholesterintabellen verzichtet;
  • weder umständlich noch schwierig oder langweilig ist;
  • sich jederzeit in den Alltag integrieren lässt;
  • exzellent schmeckt und gut verträglich ist;
  • die Lust am Essen nicht verdirbt.

Die vollwertige Mittelmeerkost erfüllt alle genannten Kriterien und kommt damit nicht nur Patienten entgegen, die nach einem stationären Aufenthalt gefordert sind, sich fürsorglich selbst an die Hand zu nehmen, um den Krankheitsverlauf deutlich positiv zu beeinflussen. Auch für Gesunde ist ein mediterran-vollwertiger Nahrungsmix optimal für die Prävention von Zivilisationskrankheiten aller Art. Das Beste daran: In Kombination mit regelmäßiger Bewegung sind Gewichtsprobleme künftig kein Thema mehr.

Allerdings darf niemand schnelle Wunder erwarten, denn die insgesamt negativen Auswirkungen eines körperlich und psychisch ungesunden Lebensstils mit Nikotin, Alkohol, Stress und Bewegungsmangel können auch durch die gesündeste Ernährung nicht kompensiert werden.

„Es funktioniert nicht, das komplizierte Regelwerk des menschlichen Körpers nur durch einen einzelnen Faktor positiv beeinflussen zu wollen,“ hat Prof. Dr. Claus Fischer, Bayreuth, Vorsitzender des Arbeitskreises Prävention, Umwelt- und Komplementärmedizin in der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., im Rahmen eines Kongresses mal gesagt.

Man kann, wie immer, nur ganzheitlich agieren: Ernährung, Bewegung, Nichtrauchen, selten bis kein Alkohol, Spannungsregulation (zwischen An- und Entspannung), genug guter Schlaf und Stressbewältigung kann ein Weg sein. Die gute alte Ordnungstherapie und deren zeitgemäße Variante, die Mind Body Medicine (MBM), werden jeweils als ganzheitliches Konzept verstanden und umfassen den Umgang mit diesen und weiteren Kernthemen.