In 80 Tagen zu sich selbst

Was ist Gesundheit für Sie? Die Abwesenheit von Krankheit? Ein Reservoir an körperlicher Energie und Stärke? Ausgeglichenheit und Leistungsfähigkeit? Vielleicht haben Sie Ihre Gesundheiet bisher auch einfach als gegeben hingenommen – bis zu dem Tag, als sie durch Krankheit verloren ging.

Und jetzt sollen Sie etwas ändern. Was auch immer es sei, eines tröstet Sie vielleicht: Nichts ist schwieriger als alte Gewohnheiten zu verändern. Wer etwas ändern soll, verlässt seine bisherige Komfortzone. Dabei gehen gelernte Routinen und vertraute Rituale verloren, damit letztlich neue geschaffen werden können. Die einfachste Lösung besteht darin, nur äußerlich etwas zu ändern. Das funktioniert langfristig aber nicht. Innere Veränderung ist aufwendiger.

Wer das bisherige Leben umkrempeln und neue Wege gehen möchte, tritt eine Reise an – eine Reise „in 80 Tagen zu sich selbst“, im Minimum (gelegentlich platzt der Knoten auch von einer Sekunde zur nächsten). Das erfordert Mut und Motivation. Mal ist genügend von beidem da, mal nicht. Dann ist man geneigt, die Ursachen in den äußeren Umständen oder im Verhalten anderer zu suchen. In aller Regel handelt es sich bei jedem Nichtgelingen eines Vorhabens um ein Zusammenspiel von äußeren Umständen und inneren, Stress erzeugenden oder Stress verschärfenden Einstellungen – und das nicht ausschließlich bei anderen.

„Den eigenen Anteil wollen manche Menschen nicht wahrhaben,“ sagt Prof. Dr. Gert Kaluza, Gesundheitspsychologe in Marburg. Ein Grund hierfür sei, dass sie dies mit Gefühlen von Versagen und Inkompetenz verbinden, was Selbstvorwürfe nährt. Das sei aber ein Missverständnis. „Wer die eigenen Anteile erkennt, befreit sich aus der Abhängigkeit von äußeren Umständen, denen wir uns als Opfer ausgeliefert sehen. Diese Erkenntnis öffnet den Blick für Entscheidungsmöglichkeiten und Handlungsspielräume – und wir können trotz bestehender äußerer Belastungen für unser körperliches und seelisches Wohl sorgen.“ Das liest sich leicht, passiert aber nicht einfach so.

Der Sieg wird im Kopf entschieden

Die geäußerte Bereitschaft etwas zu verändern und ein möglicherweise einsichtsreiches Gespräch mit einem Arzt („Sie müssen abnehmen“ … „Ja, ich weiß“) genügen nicht, um dort Veränderungen zu bewirken, wo sie zuerst stattfinden: im Kopf. Nicht von ungefähr heißt es im Sport, dass der Sieg im Kopf entschieden wird. Gemeint ist damit zweierlei:

  • Zum einen geht es um mentale Stärke und Emotionen: Es geht um das, was uns bewegt und motiviert – im Körper, in Gedanken, im Gefühl, zum Handeln. Die emotionale Kompetenz lässt sich ebenso trainieren wie körperliche Kondition – und zwar durch Kontakt zu sich selbst und zu anderen. Ein Weg ist die Meditation.
  • Zum anderen geht es um die Funktionsweisen des Gehirns: Jede neue Lernerfahrung wird in verschiedenen Hirnregionen abgespeichert. Durch regelmäßige Inputs werden „seelische Landkarten“ (Engramme) gebildet, in denen das Wesentliche einen Platz findet. Die Engramme passen sich in jedem Augenblick den sich ändernden Anforderungen der Umwelt an: Neue Informationen überschreiben die alten und können durch immer gleiche Inputs festgeschrieben werden.

Mit anderen Worten: Nur Übung macht den Meister. Der Weg zu diesem Ziel bleibt eine Reise, die aus verschiedenen Phasen besteht.

Selbstbestimmung als Voraussetzung gelingenden Lebens setzt Entschiedenheit der Auswahl aus der Vielfalt der Sinnangebote, den integrativen Umgang mit Widerständen, die Fähigkeit zum Kompromiss sowie die Treue zum eigenen Lebensentwurf voraus
Armin G. Wildfeuer


Wildfeuer AG: Das „gute“ oder „gelingende“ Leben im Ethos der Demokratie. 5. Symposium des Professorenforums, 12. bis 13. April 2002, J. W. Goethe Universität, Frankfurt/Main