Welchen Weg will ich gehen?

 

 

 

 
ES BRAUCHT EINE HANDFESTE ERSCHÖPFUNGSKRISE ODER DEN ZUSAMMENBRUCH, BIS JEMAND BEREIT IST, SICH MIT SEINEN INNEREN TREIBERN AUSEINANDERZUSETZEN. ERST DANN LAUTEN ZENTRALE FRAGEN: WO STEHE ICH IM LEBEN? WELCHEM IMPULS FOLGE ICH EIGENTLICH? WELCHEN WEG WILL ICH GEHEN?

 

Achtsamkeit ist nur noch ein Wort. Oder? Je nachdem, wen Sie in diesen Tagen fragen, was Achtsamkeit ist, werden Sie eine andere Antwort erhalten. Einige sagen: eine Art zu meditieren. Andere sehen darin eine Technik zur Selbstoptimierung. Wieder andere winken gleich ganz ab, weil sie erleben, wie ein ursprünglich buddhistischer Impuls für einen bewussteren Lebensstil zerrieben wird zwischen Esoterik-Ideologie und Dalai-Lama-Hysterie, den Eigeninteressen des Marketings und denen einer missionarischen Mindfulness-Szene.

“Die Blüten der Achtsamkeit sind deshalb so bunt, weil sie genährt werden von Zuschreibungen, die nicht stimmen”, sagte Prof. Dr. Götz Mund­le, Lei­ter des Zentrums für See­li­sche Ge­sund­heit – Oberberg City Berlin, im Gespräch für das Handelsblatt. Dem Fach­arzt für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie mit einer Ex­per­ti­se im Be­reich Suchterkrankungen, geht es weder um Ziele, noch darum, dass in meditativer Entrücktheit alles gut wird, oder um den schönen Effekt der Entspannung. Sondern um die Fähigkeit, anders als reflexhaft auf die Welt zu reagieren. “Achtsamkeit heißt wahrzunehmen, was ist. Das bedarf der Übung, das kann schmerzhaft sein.”

Es braucht eine handfeste Erschöpfungskrise oder den Zusammenbruch, bis jemand bereit ist, sich mit seinen inneren Treibern auseinanderzusetzen. Erst dann lauten zentrale Fragen: Wo stehe ich im Leben? Welchem Impuls folge ich eigentlich? Welchen Weg will ich gehen? Was ist mir wirklich wichtig?

ANDERS ALS MIT NEURO-ENHANCERN AUF DIE WELT REAGIEREN

 

Führungskräfte, die an dem Punkt ankommen, haben sich am äußeren, mehr noch am eigenen hohen Leistungsanspruch des erfolgreichen Managers im 21. Jahrhundert verschlissen, “Virtuosen im Umgang mit Komplexität” sein zu müssen, wie es der Wirtschaftswissenschaftler Fredmund Malik mal formuliert hat: “Ein guter Teil ihrer Entlohnung ist nämlich ein Schmerzensgeld dafür, in problembeladenen Situationen lösungsorientiert zu wirken.” Das Ganze bitte recht freundlich.

Bis sie diese Dynamik unterbrechen und im Idealfall selbst Hilfe suchen, dauert es. Lange. Denn in den Mechanismen des Müssens ähneln Entscheider den Marathonläufern: Ausgestattet mit hohen Kompetenzen, können sie im Run um Anerkennung viel aushalten, Daueranspannung ebenso wie Schlafmangel oder unangenehme Gefühle und Gedanken. Nun ist es eine Binse, dass für alle und jeden regelmäßiger Rückzug in andere Räume wichtig ist, um im eigenen Tempo einfach nur sein zu können. Wenn aber solche Alternativen fehlen und es eine Bereitschaft für Suchtmittel gibt, sind die Wege heute kurz. Dem Bedürftigen steht eine breite Palette an sogenannten Neuro-Enhancern, vulgo: Leistungsverstärkern, zur Verfügung. Das sind illegale Drogen und meist verordnungspflichtige psychoaktive Substanzen.

Wer sich darauf einlässt und tagsüber die geistigen Höhenflüge befeuert, hellwach bleibt – auch wenn Schlafenszeit ist, wer Angst löst, Stresserleben dämpft, Konzentration und Motivation erhöht, die Stimmung aufhellt, Schmerzen bekämpft, Nervosität und Unruhe abbaut … und abends mit Alkohol und Beruhigungsmitteln abschaltet, steckt mittendrin im Missbrauch.

Laut DAK-Gesundheitsreport 2015 “Doping am Arbeitsplatz“ konsumieren knapp drei Millionen Beschäftigte neben Kokain und Ecstasy vor allem Psychostimulanzien, Betablocker, Antidepressiva, Opioide. Auch natürliche Stoffe wie Koffein oder frei verkäufliche Pflanzenprodukte wie Ginkgo biloba werden als Neuro-Enhancer verwendet. Etwa 5,1 Prozent von den drei Millionen sind Hochqualifizierte. Die Dunkelziffer gilt als hoch, Substanzmissbrauch verschwindet in allen Firmenhierarchien hinter dem Feigenblatt der Unauffälligkeit.

“Die Sachen werden freilich nicht eingenommen, um eine Diagnose zu behandeln, sei es AD(H)S oder eine Depression”, weiß Franz Horst Wimmer, Kriminalbeamter a.D. aus Fürth, der nach 40 Jahren im Drogenkommissariat jetzt Unternehmen in der Prävention berät. Wimmer weist darauf hin, dass in der Regel ein Bewusstsein für die Nebenwirkungen und Folgen fehle: “Statistiken der letzten Jahre zeigen Milliardenverluste, die Industrie und Wirtschaft durch substanzbedingte Ausfallzeiten, Qualitätseinbußen, aufwendige Straf- und Zivilverfahren verbuchen mussten.” Wenn die Tarnung schließlich auffliegt, weil Führungsverantwortliche selbst oder das Umfeld angesichts von surrealem Verhalten oder einer sich ändernden Persönlichkeit erkennen, dass sie krank sind – dann geschieht der Ausweg individuell, doch immer in mehreren Stufen.

GLAUB NICHT ALLES, WAS DU DENKST

 

Achtsamkeit wirkt da geradezu bescheiden im Verhältnis zur Wucht der Problematik. Der Schein trügt, da sie inzwischen als “isoliertes Instrument missbraucht wird“, betont Mundle, “und doch eingebettet gehört in eine Lebensführung, welche die Fähigkeit stärkt, gut mit sich und anderen umzugehen. Dazu gehört es, sich anzuschauen als ein Mensch mit Licht- und Schattenseiten, mit Erfolg und Scheitern, mit Lust und Leid.”

Der erste Schritt ist jenes weltanschaulich neutrale Training zum Stressabbau von Jon Kabat-Zinn. Ab Ende 1979 hat der Molekularbiologe, Verhaltensmediziner und Meditationslehrer die Mindfulness Based Stress Reduction, kurz: MBSR, an der University of Massachusetts entwickelt und wissenschaftlich seriös verankert. Zunächst ergänzend zu klinischen Behandlungen für chronisch Kranke, speziell Schmerzpatienten. MBSR funktioniert, indem innerhalb von acht Wochen die Teilnehmer einmal wöchentlich 2,5 Stunden Selbstwahrnehmung und Konzentration in der Stille üben. Zu jeder Zeit wird der Atmung, der Kunst des Lassens und dem wertschätzenden Erfahrungsaustausch große Bedeutung beigemessen, auch zwischen den Treffen.

“Glaub nicht alles, was Du denkst”, heißt ein zentraler Satz im MBSR. Gemeint ist, dass wir Abstand nehmen vom „inneren Geschwätz“ und nichts, rein gar nichts beurteilen, etwa in der Meditation. Diese und andere Übungen werden im Sitzen und Stehen, Liegen und Gehen durchgeführt. Der Fokus liegt darauf, Kopf und Körper „leer zu machen” und den Blick zu klären – um sich neu und besser auszurichten, um die persönlichen Fähigkeiten in Einklang zu bringen mit Werten und Wünschen.

SICH BEWUSST UND RUHIG DEM ZUWENDEN,
WAS UNS HERAUSFORDERT

 

Inzwischen ist das Programm tausendfach untersucht. Studien zeigen die Wirkungen aufs Gehirn und Immunsystem; auf die Möglichkeiten, kraftvoll ein psychisches und körperliches Wohlbefinden bei Erschöpfung, Angst und Panik herbeizuführen. Spezielle Varianten bedienen die Depressionen, das Suchtverhalten, Krisen bei Krebs. Außerdem wird es in der ganzheitlichen Vor- und Nachsorge angewendet.

Historisch ist die Schulung der Achtsamkeit eine Schulung des Geistes, um Kompetenzen zu entwickeln, die das Leben erleichtern – vor allem, wenn es wieder verrückt spielt. Mitgefühl und Widerstandskraft zum Beispiel. “Sich bewusst und ruhig dem zuzuwenden, was uns herausfordert und leiden lässt, ist die Lernaufgabe der Achtsamkeit”, schreibt Kabat-Zinn in einem seiner Bücher. “Sie regt dazu an, das eigene Handeln zu hinterfragen, indem sie Muster durchbricht, die Menschen sonst in einer Abwärtsspirale gefangen halten.”

Diese Spirale in Firmen mit einer Kultur der Sensibilität zu durchbrechen, ist dem Referenten und Buchautor Wimmer ein Anliegen. “Im Kontext zu suchterzeugenden Substanzen gibt es eine ebenso große Bagatellisierung wie ein großes Schweigen, und selten Kontrollen, um frühzeitig Auffälligkeiten zu erkennen – auf allen Firmenebenen.” Wesentlich wäre die Frage nach der richtigen Reaktion und professionellen Intervention. Das setze ein Basiswissen in dem Themenspektrum voraus und betriebliche Angebote, die bei der Vorbeugung ansetzen. Wimmers Erfahrung: “Führungspersonal, das hier blockiert, hat oft das Problem, dass es keine schlafenden Hunde wecken will.”

Etwas stimmt nicht. SecondaVita Prævention und die Kompaktversion Slow.Flow.Glueck weisen neue Wege. 

 

Wir sprechen oft großspurig von der Flexibilität des Denkens. Wir wissen aber gar nicht,
dass viele unserer Wissenskonstruktionen blockiert werden durch alte reproduktive Muster,
durch Kopfbewohner-Botschaften, die davor warnen,
neue, ungewohnte oder tabu-verletzende Konstruktionen zu wagen.

Matthias Varga von Kibéd

 

Gesund führen also

 

 

 

 

Gesund führen – was ist das:
Megatrend, Gegenbewegung, Glücksversprechen,
Anachronismus in einer Arbeitswelt, die sich tiefgreifend transformiert?

 

Der Geschäftsführer ist nicht zu erreichen. Für ein paar Tage lässt er sich auf den Rhythmus in einem Kloster ein, um in neue Balance zu kommen. Rückzug, Muße, Reflexion: “Herr Janssen lebt selbst, was er in seinem Unternehmen weitergibt”, sagt eine Mitarbeiterin am Telefon.

Herr Janssen, Vorname: Bodo, lebt eine Vision vom Kulturwandel in der Arbeitswelt und lässt diese seit einigen Jahren daran teilhaben, aktuell im Film zum Buch “Die stille Revolution”. Eine Frage lautet: “Wie würden wir arbeiten, wenn wir uns nochmal neu erfinden würden?”, eine andere: “Wofür hat es Sinn sich einzusetzen, als Mensch, nicht als Unternehmer?” Der Herr über zurzeit 82 Hotel- und Ferienwohnungsanlagen an der Ost- und Nordseeküste zeigt sich zutiefst überzeugt, dass das betriebswirtschaftliche Diktum der Wertschöpfung durch Ressourcenausbeutung gewandelt gehört in Wertschätzung durch Potentialentfaltung. Von der Quantität zur Qualität, und das in einer reifen Unternehmenskultur, in der man daran interessiert ist, dass alle MitarbeiterInnen sich wohl fühlen.

“Dieser Paradigmenwechsel wird ein Spektrum erschließen, das in seinen Dimensionen noch gar nicht absehbar ist,” sagt Janssen, der 44-jährige Betriebswirt und Sinologe aus Emden, im Film. Das Kernthema hierbei: Führung – Selbstführung und Mitarbeiterführung. In exakt der Reihenfolge, denn am Anfang stehe die Selbsterkenntnis und in der Folge der Mut, alte, verinnerlichte Denkmuster und Arbeitsmodelle in Frage zu stellen und einen gänzlich anderen Weg zu versuchen. Den geht Janssen konsequent seit 2010, nach verheerenden Ergebnissen einer Mitarbeiterumfrage. “In Schulnoten ausgedrückt, zwischen vier und fünf. Der Wunsch nach einem neuen Chef war ein Schlag ins Kontor.”

Heute gilt der Mann als eine Art Spiritus Rector in einem Topmanagement, in dem Vorgesetzte das Zeug zum Vorbild haben, weil sie starke Persönlichkeiten sind. Solche mit Erfahrung und einer Haltung; mit der nötigen Aufmerksamkeit für die eigene Gesundheit und die der Beschäftigten. Die Wertschätzung explizit vorleben. 

Schlechte Chefs kosten 1o3 Milliarden Euro

“Gesund führen” lautet das Stichwort. Was ist das? Megatrend, Gegenbewegung, Glücksversprechen, Anachronismus in einer Arbeitswelt, die sich tiefgreifend transformiert? Obwohl starre 9-to-5-Zeiten und steile Hierarchien in vielen Berufen von flexiblen Modellen und flachen Strukturen abgelöst werden: Digital, global, flexibel, mobil, vernetzt, selbstoptimiert bleiben Kampfbegriffe der kapitalistisch fixierten Industrie 4.0, die große Teile der Gesellschaft derart herausfordert, dass sie mit Krankheit reagieren, Tendenz steigend. 

Der jüngste DAK-Gesundheitsreport 2018 gewährt tiefe Einblicke in die Abgründe des deutschen Arbeitsalltags. Mit rund 110 Millionen Fehltagen im Jahr 2017 (2016: 107 Mio.) stehen bei 44 bzw. 43,5 Millionen Erwerbstätigen seelische Störungen auf Platz 2 der Krankschreibungen, nach Problemen mit dem Muskel-Skelettsystem, vor allem Rückenschmerzen. Zeitdruck und Leistungsverdichtung, unangemessene Bezahlung, Überforderung und Mobbing manövrieren Beschäftigte scheinbar unaufhaltsam in eine “ganzheitliche Erschöpfung”, die wiederum den Weg für Depressionen, Angst- oder Suchterkrankungen ebnen kann.

Zugleich bekommen auch Spitzenmanager den Stress der veränderten Arbeitswelten zu spüren; sie werden nicht mehr allein von Mitarbeitern und Investoren nach ökonomischen und moralischen Kriterien bewertet und gegebenenfalls sanktioniert, sondern auch von der Öffentlichkeit, sofern das Unternehmen relevant genug ist. Die Folgen wirken schlimmstenfalls auf die gesamte Organisation. 103 Milliarden Euro kosten schlechte Chefs laut aktuellem Gallup Engagement Index die deutsche Volkswirtschaft, auch, weil jeder siebte Mitarbeiter innerlich gekündigt hat.

Sehnsucht nach neuen Führungsstilen

Die gute Nachricht: Es wird viel experimentiert in Unternehmen. Überall gibt es den Wunsch und eine gewisse Sehnsucht nach neuen Führungsstilen und einem Personal mit umfangreichen Kompetenzen. Idealerweise und im Sinne von „Prävention 4.0“, einem Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, sind das Kommunikationsfähigkeit, emotionale Kompetenz, Beziehungskompetenz.

Gesund führen also. Was das bedeutet, hat 2016 die Universität Witten/Herdecke aus dem Status quo der Forschung in einer Studie zusammengefasst. Gesunde Führung, heißt es da, beginnt bei sich: “Wer sich nicht selbst zu führen versteht, kann auch andere nicht führen.” Selbstführung ist umschrieben mit Selbstfürsorge, Selbstmanagement, Selbstreflexion, Selbstverantwortung, und eng mit der Vorbildwirkung verbunden. So stärkt sie Wohlbefinden und Widerstandskraft und soll zugleich Hochleistungen ermöglichen, eigene und bei den Mitarbeitern.

Als wichtig für eine gesunde Selbstführung gilt die Erkenntnis, dass subjektiv empfundene Belastungen immer im eigenen Kopf entstehen. Entsprechend geht es neben dem klassischen Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zunächst stets um die psychische und mentale Gesundheit – um Transparenz bei Belastungen, um offensiven Stressabbau und ja, um freundlichen Umgang. Körperliche Fitness wird vorausgesetzt.

Mit mitarbeiterorientierten Verhaltensweisen bringen 211 für die Studie befragte Führungskräfte (46 % Frauen, 54 % Männer, durchschnittliches Alter: 44 Jahre) Respekt, Anerkennen guter Arbeit und wiederum Kommunikation in Verbindung. Letztere spiegelt sich darin, regelmäßig Feedback zu geben und anzunehmen, eine offene Fehlerkultur zu haben, kooperativ mit Wissen und Ideen umzugehen und nicht zuletzt ein positives Grundrauschen herzustellen.

Der eigenen Macht einen Sinn geben

“Wo solche Konzepte gelebt werden können, richtet man sich an einem übergeordneten Zweck aus, der sich an etwas anderem misst als dem eigenen Vorteil”, sagt Prof. Dr. Timo Meynhardt vom Dr. Arend Oetker Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie und Führung an der HHL Leipzig Graduate School of Management.

Die private Universität hat 2015 in einer Untersuchung mit dem Titel “Healthy Leadership: Prevention, promotion, balance” herausgearbeitet, dass Firmen, die sich den Mitarbeitern ebenso verpflichtet fühlen wie den Zielen, ihre Leute nicht nur darin unterstützen, allen hinlänglich bekannten Diagnosen vorzubeugen. „Prävention darf sich nicht in betrieblich geförderten Fitnessprogrammen erschöpfen”, so der Tenor. “Wer Leistung fordert, muss heute etwas Besonderes bieten.” Die zentralen Erfolgsfaktoren für wirksame Strategien sind Organisation und gute Führung. Gut bedeutet, dass mit den Mitarbeitern regelmäßig Ziele vereinbart werden, die sie nicht nur intrinsisch motivieren, sondern zuweilen herausfordern, die persönliche Latte etwas höher zu legen. 

Fehlt noch das Wie. Gesund führen heißt für den Wirtschaftspsychologen Meynhardt, der eigenen Macht einen Sinn zu geben, indem man anderen einen Nutzen stiftet: Was hat die Gesellschaft davon, dass es das Unternehmen gibt? Was der Einzelne? Im sogenannten Leipziger Führungsmodell steht er für das Credo “Gemeinsam sinnvoll wachsen”, schließlich verbringe der Mensch 80 Prozent seiner wachen Zeit in der Arbeitswelt, diese sei ein Fundament seiner Erfahrungen. “Ein Unternehmen wächst – über sich hinaus, wenn es stimmige Angebote macht, die glaubhaft einen Gemeinwohlbeitrag leisten, der für den Einzelnen spürbar ist und das Bild vom guten Leben verbessert.”

Beispielsweise, wenn Schwächen von Personen und Prozessen erkannt, Verbesserungen entwickelt und gemeinsam daran gearbeitet werden kann, Probleme zu neutralisieren. Oder wenn es mehr Verständnis gibt für familiäre Situationen.

Die Sache mit der Selbstverantwortung

“Wer Gestaltungsspielräume hat und schafft, kann wachsen, fachlich und persönlich, und als Team die Zukunft des Unternehmens gestalten.” Für Meynhardt schließt sich damit der Kreis zur Gesundheit. Allerdings: In der Realität wird das höchstens in jedem zehnten Unternehmen gelebt. Selbstführung fällt schwerer als Mitarbeiterführung, nicht minder problematisch ist Eigenverantwortung bei den Mitarbeitern. Wirklich erfolgreich wird gesunde Führung indes erst, wenn Engagement von Unternehmerseite sich mit einer Haltung der Beschäftigten trifft, in ganzheitliche Gesundheit einsteigen zu wollen.

Daniela Gleue, zuständig für Kultur und Entwicklung in der Upstalsboom Hotelresidenz & SPA in Kühlungsborn, hat das getan. Heute bezeichnet sich die Psychologin und Sportwissenschaftlerin als die erste Herzlichkeitsbeauftragte im Unternehmen von Bodo Janssen, “weil es Rahmenbedingungen schafft, in denen Menschen ihr Potenzial entdecken und entfalten können. Es geht darum, Menschen in Gänze zu stärken.” Für sie bedeutet gesund führen, gelingende Beziehungen möglich zu machen. “Mich selbst gesund führen heißt, mich bewusst führen. Es bedeutet Bewusstsein schaffen für Körper, Geist und Sprache, für Sport, Ernährung, Entspannung, für ein achtsames Miteinander.”

Auch damit könnte die Feststellung des amerikanischen Ökonom und Nobelpreisträgers Edmund Phelps, dass 95 Prozent des persönlichen Glücks durch die Arbeitswelt bestimmt wird, einen neuen Sinn ergeben.

 

In geänderter Fassung erschienen bei Handelsblatt online, 7 SEP 2o18

 

ZUM THEMA


Badura/Ducki/Schröder/Klose/Meyer: Fehlzeiten-Report 2018. Schwerpunkt: Sinn erleben – Arbeit und Gesundheit.Berlin 2018. 608 S. 54,99 €

 

Ich gründe eine Müßiggæng

  
JA, ES KÖNNTE BALD SO WEIT KOMMEN, DASS MAN EINEM HANGE ZUR VITA CONTEMPLATIVA (DAS HEISST ZUM SPAZIERENGEHEN MIT GEDANKEN UND FREUNDEN) NICHT OHNE SELBSTVERACHTUNG UND SCHLECHTES GEWISSEN NACHGÄBE. F Nietzsche

 

Die Pferde hießen Achtsamkeit, Entschleunigung und Resilienz, sie sind tot. Zugrunde geritten vom Mainstream, von Lifestyle-Apologeten, Mindfulness-Ideologen und von Ex-Managern, die auf Berater, Trainer, (selbsternannten) Coach umgesattelt haben. Für ein paar Späte mag gelegentlich „eine Portion“ von diesem oder jenem ja funktionieren, der eine und andere Pionier und Dinosaurier hingegen reibt sich die Augen: Was hat Hype mit Haltung zu tun? Ich bin raus und gründe eine Müßiggæng. Warum? Darum: 

Die Zeiten sind obskur, wir wissen nicht, was morgen ist.

Lassen ist gesünder als klammern.

Stress ist längst kein Zeitgeist mehr, sondern die Unmöglichkeit eine gesunde Balance herzustellen.

Selbstoptimierer sehen nicht, dass sie sich maximal aufreiben (lassen) für die Ziele anderer. Spannend würde es freilich, wenn sie es nicht sehen wollen.

Atemlosigkeit ist der größte Feind der Hingabe.

Höchste Zeit für einen liebevollen Blick auf sich.

Es ist großartig, jenem Teil des Lebens bewusst Raum zu geben, der im Alltag fast immer zu kurz kommt: Innehalten, Abstand nehmen, gut zu sich (und anderen) sein.

Kleine Reisen an magische Orte erweitern den Blick nach innen und nach vorn.

Klarheit dient der Lebensqualität, der eigenen und der des (Arbeits)Umfelds.

Ruhe und Reflexion öffnen die Sinne, verleihen dem Geist Flügel, erzeugen mutige Gedanken. Eines wie das andere fühlt sich extrem gut an.

Das Gefühl von Selbstbestimmtheit und tiefer Freude ist ein wichtiger Maßstab dafür, wie das Leben aussehen soll.

SIND SIE DABEI? FEIN, WAS MOTIVIERT SIE? ICH FREUE MICH AUF IHRE GEDANKEN. UND DANN

Let´s start am Ruhepol: in aller Stille, in Bewegung, beim gemütlichen gemeinsamen Speisen in der guten Gesellschaft Gleichgesinnter, die wie Sie individuelle und weltanschaulich neutrale Wege suchen, um mit den Dingen des Lebens anders umzugehen – gelassener, zufriedenstellender, leichter … Freuen Sie sich auf ein „Abenteuer“ der anderen Art zu fast jeder Jahreszeit, wir freuen uns auf Sie.

Für Paare, kleine Gruppen und Unternehmen planen wir nach Ihren Wünschen.

 

FRÜHLING + HERBST
IM GUTSHAUS LUDORF AN DER MÜRITZ
FRÜHLING + HERBST
 IM GUTSHAUS WESSELSTORF IM MECKLENBURGER PARKLAND 

 

„Ethisches Denken also als Anleitung zu einem guten Leben“

 

 

Alles wird gesund. Alles ist machbar. Endlich Schluss mit diesem oder jenem. Wir leben – auch – in einem durch und durch oberflächlichen Zeitalter, das von Jugendlichkeit und Fitness geradezu besessen ist. Dafür ist kein Weg zu weit, kein Versprechen zu teuer.

Was ist das, Selbstoptimierung um jeden Preis? Prävention? Die Antworten werden naturgemäß unterschiedlich ausfallen, da jeder Einzelne etwas anderes unter den Begriffen versteht.

Mein Thema ist nun mal die Prävention, und hier gilt: Grundsätzlich ist alles Prävention, was Krankheit verhindert, verzögert oder weniger wahrscheinlich macht. Der Begriff selbst kommt vom lateinischen praevenire und bedeutet zuvorkommen. Prävention setzt zeitlich vor dem Eintritt eines Risikos an, Therapie danach.

Schon mit den klassischen Möglichkeiten der Prävention kann jeder den großen Volkskrankheiten aktiv entgegenwirken oder, bei bestehenden Störungen, Schlimmeres abwenden. Jede Krankheit, die nicht entsteht, ist die beste Entlastung für – ja, für wen eigentlich?

Eine Gesellschaft, zu deren Lebensprinzipien bisher nicht die Salutogenese – die Gesundheitsentstehung als Wert an sich – gehörte, sondern die Pathogenese mit einer auf Funktionalität, Planbarkeit, Kontrollierbarkeit, Effizienz und monetären Gewinn ausgerichteten Hochglanzmedizin, befindet sich in einem Teufelskreis: Der Einzelne wird zum Opfer seiner Ansprüche – oder die anderer – an Machbarkeit und übersieht, dass sein Glück darin liegt, wie er selbst der Welt begegnet.

SEIT DER ANTIKE DIENT ETHISCHES DENKEN
IN ERSTER LINIE DAZU, DEM MENSCHEN DABEI ZU HELFEN,
EIN ERFÜLLTES LEBEN ZU FÜHREN. ETHISCHES DENKEN ALSO
ALS ANLEITUNG ZU EINEM GUTEN LEBEN.
GIOVANNI MAIO

 

Deshalb ist jede Erkrankung, die nicht entsteht, die beste Entlastung für den präventologisch Handelnden und gleichsam ethisch Denkenden: „Seit der Antike dient ethisches Denken in erster Linie dazu, dem Menschen dabei zu helfen, ein erfülltes Leben zu führen. Ethisches Denken also als Anleitung zu einem guten Leben,“ schreibt Prof. Giovanni Maio, Arzt, Philosoph und Medizinethiker an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.〈1〉

ELF BIS 14 JAHRE LÄNGER LEBEN

 

Zu diesem gelingenden Leben gehören Maßnahmen, die sich nicht nur auf Korrekturen durch eine immer moderner werdende Medizin beschränken, nach dem Motto: Blutdruck zu hoch, Pille einwerfen. Jenseits jeglicher Präventionsgesetze geht es um aktive, im Wortsinn selbst-bewusste Korrekturen von Risikoverhalten im Alltag mit ganzheitlichen Ansätzen. Bereits kleine Veränderungen können große Wirkungen zeigen:

 Das „Richtige“ und weniger essen
 Sich täglich (mindestens) 30 Minuten bewegen
 Bei Belastungen entspannt bleiben
 Gut mit sich und anderen umgehen
 Auf ausreichenden Impfschutz achten

Ein gesunder Lebensstil, mehr noch: „positive Gesundheit“, kann die Lebenserwartung um elf bis 14 Jahre verlängern, lauten Ergebnisse aus EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition), der größten europäischen prospektiven Kohortenstudie, die seit 1999 den Einfluss der Ernährung auf die Entstehung chronischer Erkrankungen erforscht. 〈2,3〉 Verhindern lassen sich 〈4〉

℘  92% aller Herzinfarkte
℘  90% aller Diabeteserkrankungen
℘  85% aller Erkrankungen des Knochen- und Muskelsystems
℘  50% aller Krebserkrankungen

Der Weg zu diesem Ziel ist eine Reise, an deren Anfang Selbstbestimmung und Selbstverantwortung stehen. Eines wie das andere ist für den Sozialphilosophen Prof. Armin G. Wildfeuer unentbehrlich für ein gelingendes Leben. Hinzu kommen 〈5〉

℘  Entschiedenheit bei der Auswahl aus der Vielfalt der Sinnangebote
℘  ein integrativer Umgang mit Widerständen
℘  die Fähigkeit zum Kompromiss
℘  Treue zum eigenen Lebensentwurf

Eine weitere Kraftquelle finden viele in ihrer Religiosität oder Spiritualität. Die einen glauben an einen Gott, andere daran, dass das Leben – jenseits von Konfessionen – Sinn und Bedeutung hat.

Sinn wiederum ist ein zentrales Thema in der Mind Body Medizin und damit in meinem Mind Body Medizin-Training/Selbstführungs-Training. Es ist der bewusst gesetzte Kontrapunkt zur Selbstoptimierung und hilft Ihnen nach einem 10-Wochen-Programm, Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden ganzheitlich, eigenverantwortlich – und in aller Ruhe – zu steuern. Und Ihre biographischen Risse, Sprünge, Brüche zu integrieren. Die Methoden wurden und werden vielfach untersucht, sind wissenschaftlich anerkannt und in ihren positiven Auswirkungen auf die Körpersysteme nachgewiesen. Und da jeglicher Sieg im Kopf entschieden wird, werden aktuelle Erkenntnisse der Hirnforschung berücksichtigt.

JUGENDLICHKEIT MIT WEISHEIT IST SEXY

Weil ich die Kombination Jugendlichkeit und Weisheit sexy finde, habe ich eine kompakte Version entwickelt: Slow.Flow.Glueck. Meine 3-, 4- und 6-Tagesseminare auf Basis der Mind Body Medizin und in der wundervollen Atmosphäre der Mecklenburger Gutshäuser Ludorf, Wesselstorf und mal gucken, was sonst noch passt, sind jeweils kleine Reisen zu einem Perspektivwechsel, zu „neuen Ohren“, ins Glück. 

Ich verbinde fünf Kernaspekte für ein gutes Leben:

℘  Innehalten und sich mit allen Bedürfnissen wahrnehmen
℘  In Kontakt kommen mit sich und anderen
℘  Zufrieden sein mit dem, was ist, und damit kreativ umgehen
℘  Den Körper und Geist ausgewogen bewegen
℘  Die Seele mit SlowSoul…Health Food wärmen

Sie sind in angenehmer Gesellschaft: in einer Gruppe mit maximal zehn Gleichgesinnten, die wie Sie individuelle Wege suchen, um den Dingen des Lebens anders zu begegnen.

Slow.Flow.Glueck ist für die einen der Einstieg in ein verändertes Lebensgefühl, andere erleben die Zeit als einen „perfekt ausbalancierten Weg, um zwischendurch alles loszulassen und beseelt“ (O-Ton eines Teilnehmers) in den Alltag zurückzukehren.

 
OHNE EINSICHT IN … DEN SINN DES GEGEBENEN
KÖNNEN WIR NICHT GLÜCKLICH WERDEN.
GIOVANNI MAIO
 

 

QUELLEN

1 Maio, Giovanni: Medizin ohne Maß? Vom Diktat des Machbaren zu einer Ethik der Besonnenheit. Trias Verlag 2o14

2, 3 EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition): Studie 2o1o

4 EPIC 2oo4

5 Wildfeuer AG: Das „gute“ oder „gelingende“ Leben im Ethos der Demokratie. 5. Symposium des Professorenforums, 12. bis 13. April 2002, J. W. Goethe Universität, Frankfurt/Main

 

ZUM THEMA

Klahre, AS: Nationale Kohorte: Was macht krank, was hält gesund? All die schoenen Worte, 11/2o14

 

Sprechen in der Medizin: Mehr wie, weniger was

 

Mehr wie, weniger was: „Es ist sehr ernüchternd, dass nur 15 Prozent der Worte wirksam sind. Viel wichtiger ist der Tonfall und wie das Gesagte über die nonverbalen Signale der Mimik und Gestik begleitet werden.“

 

© Ines Seidel | Flickr

 

Vier Jahre ist es her, dass der Psychiater, Psychotherapeut und Schmerztherapeut Dr. Claus Derra aus Bad Mergentheim sich auf dem Deutschen Schmerzkongress mit dem Aspekt „Sprechen statt Stechen“ bei Schmerz beschäftigt hat.〈1〉„Aus der Placebo- und Noceboforschung wissen wir, dass geringe Zuwendung bei der Chronifizierung von Schmerzen eine große Rolle spielt”, sagte er seinerzeit.

An der Wichtigkeit dieser Thematik hat sich bis heute nichts geändert. Oder doch, Kommunikationsdefizite auch in der Medizin und allgemein in Gesundheitsberufen gehen inzwischen als Binsenweisheit durch. Leider ändert das nichts daran, dass das Ganze noch brisanter geworden ist und zumindest mitverantwortlich für fürchterliche Versäumnisse und folgenintensive Fehler. Und es gilt natürlich nicht nur für den Schmerz.

Da aber gerade in der psychologischen Schmerztherapie viele Arbeiten untersucht haben, wie „sprechende Medizin“ und psychotherapeutisches Handeln neurobiologisch wirken und wie Gehirn und Psyche die funktionellen Regelkreise im Gesamtorganismus beeinflussen, bleibt der Text bei dem Schwerpunkt und hat dennoch eine gewisse Allgemeingültigkeit.

Empathie verändert die Schmerzmatrix im Gehirn

2011 hatte eine in Science veröffentlichte Studie für größeres Interesse gesorgt, weil erstmals gezeigt werden konnte, dass Schmerz und Einsamkeit in der Großhirnrinde den gleichen Abschnitt des Schmerznetzwerks aktivieren – den anterioren Gyrus cinguli (ACC).〈2〉Der ACC als Teil des Limbischen Systems sorgt jedoch nicht für die Wahrnehmung von Schmerz, sondern regelt die emotionale Reaktion auf Schmerz. 

„Damit lassen sich eine Reihe bekannter bio-psycho-sozialer Einflussfaktoren erklären, die mit sozialem Rückzug und dem Erleben von Einsamkeit einhergehen – und mit somatischen Effekten im Sinne verschiedener Schmerzen“, so Derra. Beispielsweise würden Faktoren wie Ängstlichkeit, Depressivität und die Neigung zum Katastrophisieren die Tendenz zum sozialen Rückzug und zur Chronifizierung verstärken – und den Schmerzmittelgebrauch erhöhen. 

Die Studienautoren um Prof. Naomi Eisenberger, Direktorin des Department of Psychology an der University of California Los Angeles, haben seinerzeit geschrieben: „Wenn man die Dinge so betrachtet, leuchtet es unmittelbar ein, dass soziale Wärme und Unterstützung durch Bezugspersonen somatische Schmerzen lindern können.“ 

Mit anderen Worten: Empathie und Psychoedukation haben im Rahmen der gezielten ganzheitlichen und wenig invasiven Ansätze der psychologischen Schmerztherapie ein zusätzlich erhebliches Potenzial, die Schmerzmatrix im Gehirn zu verändern. 

 

Die Kunst des Sprechens ist es, dass vieles von dem,
was dem Patienten helfen kann,
sich auch mit seinen Überzeugungen treffen muss.
Dr. Claus Derra

 

„Schon die reine Informationsvermittlung zum Krankheitsmodell und das Darstellen der therapeutischen Möglichkeiten stellen eine Bereicherung der psychologischen Schmerztherapie dar, da man sich hier die Erwartungen zunutze macht, die Patienten an ihre Ärzte und Therapien haben, um die Compliance und damit die Behandlungsergebnisse signifikant zu beeinflussen“, hat Dr. Regine Klinger gesagt, Psychologische Leiterin des Bereichs Schmerzmedizin und Schmerzpsychologie am Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg (UKE).〈3〉 

Da das im positiven (Placeboeffekt) wie im negativen (Noceboeffekt) Sinne funktioniert und immer an die Vorerfahrungen der Patienten mit Therapien und Therapeuten gekoppelt ist, kommt es weniger auf das Was an, denn auf das Wie. 

„Es ist sehr ernüchternd, dass nur 15 Prozent der Worte wirksam sind“, sagte Derra. Viel wichtiger sei der Tonfall (35%) und wie das Gesagte über die nonverbalen Signale der Mimik und Gestik begleitet werden (50%). „Wir könnten eigentlich aufhören so viel zu reden, denn die Metakommunikation spielt die wesentliche Rolle.“ 

Erlebnis- und Gefühlswelten erfassen

Bereits der Großmeister der Kommunikationsforschung, Prof. Dr. Paul Watzlawik (1921-2007), hatte im kalifornischen Palo Alto in den 1990er-Jahren postuliert: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Und: „Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht.“ 

Derra hält deshalb einige basale kommunikative Fähigkeiten für wichtig, die ein Therapeut/Arzt haben sollte. Dazu gehört 

_ das Vermitteln von Informationen, die genau auf den Patienten zugeschnitten sind,

_ sich vergewissern, was der Patient verstanden hat,

_ so wirken, dass eine maximale Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Patient einmal getroffene Vereinbarungen über therapeutisches Vorgehen und Lebensstiländerungen ein- und beibehält.

„Wir sind hier im Bereich der Verhaltensänderungen. Den meisten Patienten kann erklärt und auch zugetraut werden, dass und wie sie eigene Kontrollstrategien – psychologische schmerztherapeutische Selbstkontrollstrategien – erlernen können, um das Endorphinsystem zu beeinflussen“, so Derra. Zusätzlich können schmerzlindernde Behandlungseffekte über gezielte Fokussierungsmaßnahmen oder selektive Aufmerksamkeitslenkung bewusster gemacht werden.

Die Kunst des Sprechens sei es, dass vieles von dem, was dem Patienten helfen kann, sich auch mit seinen Überzeugungen treffen müsse. Zu dem Zweck müsse man ihn erreichen. Die wesentlichen Funktionen des diagnostischen Gesprächs liegen neben dem Erfahren der krankheitsbezogenen somatischen und psychosozialen Informationen deshalb im Erfassen seiner Erlebnis- und Gefühlswelten – im Erkennen seiner Persönlichkeitsstrukturen, Defizite und Ressourcen, des Umgangs mit der Krankheit, der Sorgen, Nöte und Befürchtungen. Grundvoraussetzung in diesem Prozess ist das aktive Zuhören, die ärztliche Urtugend.

„Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass aktives Zuhören die Medizin der Zukunft sein wird, sonst wird keine Medizin mehr sein“, sagt Prof. Dr. Gian Domenico Borasio, Palliativmediziner am Universitätsspital in Lausanne.〈4〉

Grenzen des Sprechens 

Grenzen des Sprechens werden bei schichtspezifischen Verständnis- und Verständigungsproblemen erreicht: „16 Prozent der Schmerzpatienten haben einen Sprachschatz unter Hauptschulniveau“, so Derra. Als weitere Handicaps auf Seiten der Patienten nannte der ehemalige Ärztliche Direktor des Reha-Zentrums in Bad Mergentheim mangelnde Motivation, Misstrauen in die Kompetenz des Therapeuten, Ideologien und eine insgesamt negative Erwartungshaltung: „Noceboeffekte führen dazu, dass eine wirksame Therapie nicht besser hilft als Zuckerwatte.“ Verstärkt würden diese Effekte seitens der Behandler u. a. durch einen schlechten Ruf und schlechte Informationsvermittlung, fehlende Empathie, Ideologien, Mangel an Zeit und Interesse. 

Die Tücken der „sprechenden Medizin“ hat der Verhaltensforscher Konrad Lorenz optimal subsummiert: „Gesagt heißt nicht immer gesagt, gesagt heißt nicht immer gehört, gehört heißt nicht immer verstanden, verstanden heißt nicht immer einverstanden, einverstanden heißt nicht immer angewendet, angewendet heißt nicht immer beibehalten.“ 

 

Noceboeffekte führen dazu, dass eine wirksame Therapie
 nicht besser hilft als Zuckerwatte.
Dr. Claus Derra

 

Quellen

1   Deutscher Schmerzkongress 2013. 23. bis 26. Oktober 2013, Hamburg Derra C: RF6

2   Eisenberger N, et al: Proc Natl Acad Sci. 2011; 108(28):11721-1126
http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1108239108 

3   Deutscher Schmerzkongress: Eröffnungspressekonferenz, 23. Oktober 2013

4  Sterben verboten? Wie Hightech-Medizin den Tod verändert. Das Erste | ARD, 11. Dezember 2o17

 

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Lebensstil, Darmgesundheit und Depression

 

Das Risiko, eine Depression zu entwickeln,
ist direkt verknüpft mit dem Lebensstil,
besonders mit schlechter Ernährung.

 

Rund 50 Nährstoffe braucht der Körper zum Leben, Arbeiten, Gesundbleiben und sich Wohlfühlen. Was, wenn er die dauerhaft nicht bekommt? Macht krank, sehr krank – und wird beschleunigt durch einen insgesamt ruinösen Lebensstil mit wenig Schlaf und noch weniger Bewegung. Einmal mehr zeigt jetzt eine australische Studie: Ein ungesunder Lebensstil mit einer ballaststoff-, obst- und gemüsearmen Ernährung und stattdessen stark verarbeiteten Nahrungsmitteln mit viel Fett, Zucker, Salz ist einer der Schlüssel auch für eine Depression.〈1〉

Zu diesem Ergebnis ist Dr. Joanna F. Dipnall vom Department of Statistics, Data Science and Epidemiology an der Swinburne University of Technology in Melbourne gelangt – mithilfe eines neuen Tools, dem Risk Index Depression (RID). Dieser enthält verschiedene Parameter zu individuellen Ernährungsfragen und dem Lebensstil und soll Medizinern und Erkrankten auch auf dieser Basis künftig helfen, erste Anzeichen einer Depression zu erkennen.

„Während die Risikofaktoren für Depression zunehmend bekannter werden, gibt es keinen Index für die Darstellung dieser Risikofaktoren“, schreiben Dipnall und Kollegen. „Wir wollten eine Methode entwickeln, die Schlüsseldeterminanten aus bereits veröffentlichten Forschungsarbeiten verwendet.“ Entsprechend wurden die Daten (Demographie, Klinik, Labor) aus der National Health and Nutrition Examination Survey (2009-2010, N = 5.546) ausgewertet. „Unser Ziel ist die Prävention“, so die Autoren. Auch die Veranlagung für Depressionen soll mit dem RID identifiziert werden können.

Völlig klar ist für die Wissenschaftlerin ein Zusammenhang zur Darmgesundheit. Ballaststoffe in Form von Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen sind ein zentraler Faktor für die Darmgesundheit, die wiederum ist ein aktueller Schwerpunkt der Depressionsforschung.

Für Dipnall schließt sich hier ein Kreis: „Unsere Erkenntnisse liefern weitere Beweise dafür, dass Ernährung ein Hauptfaktor für die Darmgesundheit und das Depressionsrisiko ist.”

 

© Gero Sánchez | Flickr

 

Quelle


 

1 Dipnall JF et al: Aust & N Z Journal of Psychiatry
Online first 31. August 2017
https://doi.org/10.1177/0004867417726860

 

Zum Thema


 

Klahre AS: Dünne Haut, Risse in der Seele
SecondaVita Prævention, 22. Juni 2o15 und
Slow.Flow.Glueck, 8. Juli 2o17

Klahre AS: Ethical Food: Jeden Tag unverfälscht
SecondaVita Prævention, 18. Dezember 2o15

Klahre AS: Soul Food. Slow Food. Einfach gut
Slow.Flow.Glueck, 17. August 2o17

 

Innehalten

 

 

 

Eine gute Verbindung zum Partner, zu Freunden, zu Menschen im Berufsleben ist eine Quelle, aus der wir Energie für den Alltag gewinnen. Wie unersetzlich aber Momente sind, in denen wir innehalten, zeigt sich immer dann, wenn wir abseits von Aktivitäten – oder Aktionismus – und vielen Leuten zur Ruhe kommen, langsamer, still werden. Nichts tun.

Wer seinem Bedürfnis nach Rückzug von Zeit zu Zeit folgt und die Abgeschiedenheit sucht, kann konzentriert Gedanken sammeln, an einem Problem oder Thema arbeiten. Oder in „ruhiger Wachheit“ abwarten, bis Erkenntnisse sich von selbst einstellen. Eine anspruchsvolle Übung hierbei: Nichts, rein gar nichts werten, was einem so in den Kopf kommt.

Solche Selbstgespräche können gut begleitet werden von Büchern, Musik, Gehen in einsamen Landschaften, Medititationen … die Möglichkeiten sind grenzenlos. Je ruhiger und harmonischer die Umgebung ist, umso besser.
 
Die Gastgeber der wunderschönen Mecklenburger Gutshäuser Ludorf, Wesselstorf, Groß Toitin und ich laden dazu ein, drei, vier oder sechs Tage innezuhalten und mit dem exklusiven Slow.Flow.Glueck-Programm von allem zu entkoppeln, was stresst und anspannt: in Stille, mit heilsamer Bewegung, beim gemütlichen Speisen mit Gleichgesinnten.
 
Slow.Flow.Glueck ist gemacht für Damen, Herren, Paare, Eltern, Chefs, Mitarbeiter, Alleinherrscher – für alle, die individuelle Wege suchen, um

ς mit Überforderung, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und … besser umzugehen
ς Frustration, Ängste, Wut loszulassen
ς Schmerzen zu lindern
ς die Seele zu streicheln und den angestrengten Körper zu beruhigen
ς zu entschleunigen und still zu werden
ς den Lebensstil um schöne Impulse zu bereichern

Freuen Sie sich auf ein Abenteuer der anderen Art und lernen Sie sich neu kennen. Das Ergebnis ist mehr Kraft und Klarheit und das wunderbare Wissen, „the most difficult and the most intellectual thing in the world“ (Oscar Wilde) tun zu können: nichts. Jedenfalls nicht viel.

 

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Gestresstes Herz, was brauchst Du?

 

  

Ungefähr so viele Menschen wie eine Kleinstadt Bewohner hat, erliegen jedes Jahr einem plötzlichen Herztod.
Das sind mehr als zusammengenommen jene, die hierzulande an Lungenkrebs, Brustkrebs und Aids sterben.

 

Die Erde – in Aufruhr. Die Menschheit richtet sie und sich zugrunde. Terroranschläge und andere gesellschaftliche Verrohungen vor der Haustür, weltweite Migration, hoher Arbeitsdruck, wirtschaftliche Sorgen … Die Verunsicherungen und Ängste vieler Menschen sind inzwischen mit Händen zu greifen, die Nerven vieler liegen blank. Wenn mehr oder minder chronischer Stress plötzlich und tödlich endet, lautet die Diagnose „plötzlicher Herztod“ (PHT) oder „Sekundentod“.

Immer wieder taucht hierbei das Bild vom scheinbar heiteren Himmel auf. Doch von rund 200.000 Menschen, die in Deutschland jedes Jahr einen akuten Herzstillstand nicht überleben, sind nur etwas mehr als zehn Prozent kardiale Risikopatienten, die nach einem Infarkt bereits an einer Herzmuskelschwäche litten oder eine andere Herzerkrankung hatten.〈1〉

 

Meistens geht diesem unvorhersehbaren
und schrecklichen Ereignis eine längere Phase
mit chronisch depressiver Stimmungslage voraus

Karl-Heinz Ladwig

 

„Meistens geht diesem unvorhersehbaren und schrecklichen Ereignis eine längere Phase mit chronisch depressiver Stimmungslage voraus. Im Nachhinein lassen sich in vielen Fällen klassische Alarmzeichen ausmachen, etwa finanzielle Sorgen, eine belastende Arbeits- oder frustrierende Familiensituation.“ Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig, am Helmholtz Zentrum München tätiger Psychokardiologe, hält diese psychosozialen Aspekte kardiologischer Leiden für unterrepräsentiert und machte dies im April in Mannheim anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie deutlich: „Der plötzliche Herztod ereilt die Betroffenen entgegen einer verbreiteten Vorstellung in der Regel nicht nach einer einmaligen Aufregung. Akuter Ärger, Angst oder andere Aufregungen sind nur Auslöser.“〈2〉

Physiologisch betrachtetet sind meist Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern oder auch das sogenannte Broken Heart Syndrom direkte Auslöser eines PHT. Beim Broken Heart Syndrom (auch: Stress-Kardiomyopathie, Tako-Tsubo-Syndrom) verengen sich die Herzkranzgefäße akut krampfartig. Betroffen sind vorwiegend Frauen jenseits der Wechseljahre. Die Symptome gleichen denen eines Herzinfarktes, sie treten meist unmittelbar nach negativ wie positiv emotional stark belastenden Ereignissen und Situationen auf, sei es der Tod eines Angehörigen oder Arbeitsplatzverlust, aber auch ein Lottogewinn oder ein Heiratsantrag. Oder ein Erdbeben.

Das hat unter anderem eine Studie aus Los Angeles gezeigt: Dort hatten Forscher die Auswirkungen des „Northridge Erdbebens“ am 17. Januar 1994 untersucht, eines der stärksten Erdbeben, das bis dato in den USA registriert worden war.〈3〉 Die Zahl der plötzlichen Herztode von durchschnittlich 2 bis 4 war am Tag der Katastrophe sprunghaft auf 24 angestiegen. 16 Menschen starben binnen einer Stunde nach den ersten Erschütterungen. Nur drei Todesfälle standen in Zusammenhang mit physischer Belastung. In der Woche nach dem Erdbeben lag die Zahl der plötzlichen Herztode unter dem Durchschnitt (2,7 ± 1,2).

 

Neben der Veranlagung spielt auch die Art,
wie Menschen mit emotionalen Belastungen umgehen,
eine wesentliche Rolle
Karl-Heinz Ladwig

 

„Auch wenn wir noch nicht alle Zusammenhänge im Detail verstehen, zeigt sich, dass es für den stressinduzierten Herztod zwei Komponenten braucht,“ so Ladwig. „Neben der Veranlagung spielt auch die Art eine wesentliche Rolle, wie Menschen mit emotionalen Belastungen umgehen. Anders ausgedrückt: Wer Stress besser bewältigen kann, hat ein geringeres Risiko, einen plötzlichen Herztod zu erleiden.“

Aus Sicht von SecondaVita Prævention zeigt die Problematik einmal mehr: Stress ist Stress, sei er positiv oder negativ, das Gehirn bzw. der Körper macht bei der Bewertung und der neurophysiologischen bzw. physiologischen Reaktionen keinen Unterschied. Gezieltes Stressmanagement, Entspannungstechniken und körperliche Bewegung können deshalb effizient das Risiko für einen plötzlichen Herztod signifikant senken.

Ganzheitlich gedacht ließe sich ergänzen:

 

Ernährung umstellen
 Gegebenenfalls Zigaretten- und Alkohlokonsum deutlich drosseln
 Genügend schlafen
 In geschützter Atmosphäre reden über das, was schwer lastet
 Sich sortieren, neu ordnen und wohltuende Perspektiven entwerfen
 Seelische Widerstandskraft – Resilienz – trainieren
 Sich eine lang nachklingende präventive Auszeit verordnen

 

Bei Verdacht auf eine klinisch manifeste Depression soll ein weiterer Experte hinzugezogen werden. 

Stress ist ein eigenständiger Risikofaktor für Herzerkrankungen und verdiene mehr Aufmerksamkeit, betonte Ladwig: „Schon das gezielte Ansprechen der Lebenssituation und psychischen Befindlichkeit kann einen hohen therapeutischen Wert haben.“

Dies mag den einen oder anderen Kardiologen überrascht haben.

 


 

1 Deutscher Herzbericht 2o16. Deutsche Herzstiftung, Berlin, 25. Januar 2o17

2 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
Mannheim, 19.o4.-23.o4.2o17

3 Leor J et al:  N Engl J Med 1996; 334:413-419
DOI: 10.1056/NEJM199602153340701

 

 

Lust auf positive Gesundheit

© Fabian Christ | Flickr

 

Die Fastenzeit beginnt, der Bis-Ostern-Verzicht auf wahlweise Alkohol, Süßes, Tütensuppen und inzwischen sogar auf permanente Erreichbarkeit. Wie wäre es, wenn das eine oder andere auch darüber hinaus funktionieren könnte – mehr noch und sozusagen als frommer Wunsch: Möge das Fasten so ganz und gar Lust auf Gesundheit machen. Denn mit der Gesundheitskompetenz ist es ein Kreuz.

 

Gesundheit ist … für jeden etwas anderes. Die Ansichten darüber, welche Bedingungen über Gesundheit und Krankheit entscheiden, sind höchst unterschiedlich. Der persönliche Blick entscheidet weitgehend darüber, ob jemand gesundheitsbewusst lebt oder nicht. Wer davon überzeugt ist, dass Gesundheit überwiegend „eine Frage der Gene“ oder “Schicksal” sei und man da halt nichts machen könne, wird sich kaum für Prävention interessieren.

Das ist schade, weil internationale Studien eindrucksvoller denn je darauf hinweisen, dass die Gesundheitskompetenz des Einzelnen verbesserungswürdig ist. Forscher der Universität Bielefeld haben Gesundheitskompetenz als das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit beschrieben, “gesundheitsrelevante Informationen ausfindig zu machen, zu verstehen, zu beurteilen und zu nutzen, um die Gesundheit erhalten, sich bei Krankheiten nötige Unterstützung durch das Gesundheitssystem sichern oder sich kooperativ an der Behandlung und Versorgung beteiligen und die dazu nötige Entscheidung treffen zu können.” 〈1〉International wird diese basale Kompetenz als Health Literacy bezeichnet.

Bei 54,3 Prozent der Deutschen will das eine wie das andere nicht so recht funktionieren, heißt es im Ergebnisbericht der im Dezember 2o16 veröffentlichten Health-Literacy-Studie (HLS-GER) der Universität Bielefeld.〈1〉Dazu passen jüngste Daten – freilich nicht nur – für Deutschland, wonach die Diagnose des Diabetes Typ II gewaltig zunehmen wird, die Betroffenen werden immer jünger. Zudem steigt laut DAK-Gesundheitsreport 2o16 die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage bei Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, des Atmungssystems und bei psychischen Erkrankungen bei beiden Geschlechtern mit dem Alter kontinuierlich an.〈2〉

In dem interdisziplinären Feld der Gesundheitswissenschaften beschäftigt man sich daher intensiv mit Fragen zum Gesundheitsbewusstsein und Gesundheitsverhalten. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben sich verschiedene Definitionen von Gesundheit entwickelt, die vor allem gemeinsam haben, dass es nicht länger schnöde um die “Abwesenheit von Krankheit” geht, sondern um eine positive und facettenreiche Auslegung.

Lebensqualität, Handlungsfähigkeit, Empathie

Der Begriff „positive Gesundheit“ beinhaltet Faktoren wie Lebensqualität, Handlungsfähigkeit, emotionale Kompetenz, Rollenkompetenz und die Möglichkeit, das vorhandene Potential gleichzeitig zu erfüllen und durch Erfahrungen zu erweitern. Außerdem:

  • Qualitativ hochwertige, vielseitige Ernährung
  • Körperliche und mentale Fitness durch Bewegung, täglich mindestens 30 Minuten
  • Keine „Genussgifte“
  • Optimale Hirndurchblutung durch Bewegung und Entspannungstechniken
  • Genügend und guter Schlaf
  • Balance zwischen An- und Entspannung
  • Stressbewältigung und in der Folge Gelassenheit bei Belastungen
  • Seelisch-soziale Gesundheit durch ganzheitliche Selbstführung
  • Ausreichender Impfschutz

Prävention vom Feinsten

Da jeder dieser Faktoren grundsätzlich dazu beiträgt, Krankheit zu verhindern, verzögern oder weniger wahrscheinlich zu machen, haben wir es genau genommen mit Prävention vom Feinsten zu tun. Dieser Begriff wiederum kommt vom lateinischen praevenire und bedeutet zuvorkommen. Jenseits jeglicher Präventionsgesetze kann ein derart gesunder Lebensstil große Wirkungen zeigen. Verhindern lassen sich 〈3〉

  • 92% aller Herzinfarkte,
  • 90% aller Diabeteserkrankungen,
  • 85% aller Erkrankungen des Knochen- und Muskelsystems,
  • 50% aller Krebserkrankungen,

verlängern lässt sich die Lebenserwartung um elf bis 14 Jahre.〈4〉So lauten Zwischenergebnisse aus EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition), der größten europäischen prospektiven Kohortenstudie, die seit 1994 den Einfluss der Ernährung auf die Entstehung chronischer Erkrankungen erforscht.

Damit ist jede Krankheit, die nicht entsteht, die beste Entlastung für den, der eigenverantwortlich und gut mit sich umgeht. „Richtiges“ Fasten, also klassisch nach Buchinger oder einer leicht modifizierten Form, eignet sich wunderbar als Zäsur, um den Lebensstil zu hinterfragen und zu ändern.

 

© Sylvia Duckworth

 

 

1 Schaeffer D et al: Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland. Ergebnisbericht. Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften. Dezember 2016
2 DAK-Gesundheitsreport 2o16
3 EPIC Studie 2oo4
4 EPIC Studie 2006, Studie 2008

 

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Nationale Kohorte: Was macht krank, was hält gesund?

 

WortGemälde BilderParallelwelten.

Melancholia | ask 2o14   Vielleicht ist es die dunkle Seite des Herbstes. Vielleicht ist es die Zeit, November 2o15, ein November, in dem unter Federführung Deutschlands wieder Geschichte geschrieben wird; in dem Freitag13 ab sofort für die Pariser ist, was Nine Eleven für die New Yorker. Es gibt jetzt Tage, da können Erinnerungen an eine gefühlt fast vergangene heile Welt eine Art Schutzraum vor brutal kontrastierenden Momentaufnahmen von Kriegen, Klimakatastrophen, Kapitalverbrechen, Raubtierkapitalismus, Islamterrorismus bieten. Das Gehirn beherbergt im Idealfall millionenfach magische Bilder voller Schönheit, die sich intensiv, meditativ, bestenfalls kurativ gegen eine sich immer mal wieder Bahn brechende Ohnmacht stemmen, das Leben nicht länger unabhängig von der „großen Politik“ mit jener einigermaßen beruhigenden Zuversicht gestalten und planen zu können, dass alles irgendwie gut wird. Die Zukunft, you know. Die nächsten zehn, zwanzig, dreißig Jahre. Das zweite oder dritte Lebensdrittel.

Das neuronale Fotoarchiv kann Fulminantes bereithalten: grandiose Gegenden, unvergessliche Begegnungen, abenteuerliche Routen, die Dinge des Lebens, bitter und süß. Jedes der Bilder ist eine Reverenz. Und es birgt Worte, gesagte und ungesagte. Silbenschöpfungen, Assoziationsgebilde, zu denen das Gehirn große und kleine Geschichten zu kreieren vermag. Phantasiereisen, die die Kraft haben, uns in die Wunderländer einer Alice Pleasance Liddell, einer Mary Poppins, eines Pan Tau davonzutragen – oder in eigene neue Welten vordringen zu lassen, in denen wir alles sein können: Zaubermaus, Intelligenzbestie, Honigsauger. Oder einfach nur still. Dann kann es passieren, dass Bilder ganz von selbst kommen und sich immer weiter verdichten, bis sie worthaft werden, ein Eigenleben entfalten. BilderParallelwelten WortGemälde. Und umgekehrt. 

„Ich mag ihren inneren Zirkus.“ Schreibt Herta Müller, Literaturnobelpreisträgerin 2oo9, über die „bezwingende Macht, die Wörter haben können, die schrecklichen wie die schönen.“〈1〉Gleichwohl haben sie die Macht, sich selbst nah zu sein, als Ergebnis stummer Zwiesprache. Solche Momente des Selbstgesprächs „… können Ihr Innerstes aufschließen und einen Bewusstseinszustand der Ruhe, klaren Wahrnehmung und des nichturteilenden Gewahrseins im Augenblick erreichen – jenen Bereich, den die alten chinesischen Daoisten das offene, wache Nichtstun nennen,“ schreibt wiederum Jon Kabat-Zinn, Molekularbiologe, Stressforscher und Meditationslehrer in Massachusetts.〈2〉 In der Tat: Zu sich kommen, bei sich sein, einfach sein – was könnte wichtiger sein in Zeiten irrer Kämpfe einer barbarischen Gesellschaft in einer kaputten Welt. Der November wirkt allenfalls verstärkend. Subjektiv als schön wahrgenommene Worte haben dann das Zeug zum Vademecum.

 

KLANGKÖRPER HOLUNDERBLÜTENGELEE DELPHINGESANG LIEBESSEHNEN HIMMELSLEITER STOPPELKOPF GEDANKENZIMMER STRANDHOTEL SOMMERBRISE BURGFRÄULEIN SEEKUH SCHILDKRÖTENWANDERUNG KRIXELKRAXEL LINKSGOLFWELTREISE WANDERDÜNE SINNSUCHE NIEMANDSLAND ZUCKERWATTE JAKOBSSTAB STREICHELEINHEIT WINDJAMMER GEDANKENSCHUTZGEBIET BLÜTENMEER STERNENREGEN MITTSOMMERNACHT ENGELBERG SEEPFERDCHENHOCHZEIT BUSCHWINDRÖSCHEN MARONIBRATER SONNTAGSEI SCHÖPFKELLE BULLARBÜ SEEGRASFLOSS MORALGEMEINDE QUITTENMUS ZENGARTENMEISTER HERBSTLAUBWALD GEFÜHLSSPUR KAISERSCHMARRN EINSAMKEITSEPOS ARIADNEFADEN GEIGENVIRTUOSE SCHREIBGERÄT WANDELHALLE LUFTKURORT GEBIRGSBACH LAUSBUB CSÁRDÁSFÜRSTIN BEGEGNUNGSSPUR WIRKLICHKEITSSTOFF KODDERSCHNUTE WAHRHEITSSÜSSE BETTWÄRME KANALARBEITERSCHNITTE SITTENGEMÄLDE HONIGLEUCHTEN WUNDERTÜTE BADETAG HEIMATHAFEN HIMBEERGANACHE LIEBESNACHT RELEVANZDIKTAT FLUNKERN KOMETENSCHWEIF WORTFETZEN FLIEDERBEERSUPPE TAUSENDSCHÖN MITTSOMMERNACHT RUHEPOL FLAMINGOFARBEN SEEMANNSGARN ERKENNTNISINTERESSE TRACHTENFEST VENUSHÜGEL SPRACHINSEL FISCHAUFLAUF ZIMTBAISER KAFFEETAFEL KINDERLACHEN STRAHLKRAFT GLÜCKSELIGKEIT KNURRHAHN SESSELLIFT GEWÜRZNELKENBAUM TRANSZENDENZVERZICHT UFERPROMENADE HÄKELKLEID MOHNBLUMENBERG VERGISSMEINNICHT SCHLAGOBERS EMPÖRUNGSMEUTE TÜDDELBAND KNORKE ZÄRTLICHKEITSATTACKE MOLLIG WOLKENSTORES SATZKASKADE PUSTEBLUME FLUNSCH BÜCHERTURM ROSSHAAR FEINSINN MOOSRÖSCHEN LEBENSLIEBE KETTENGEDICHT ZYPRESSENHAIN BALZ LICHTLÖSUNG HAUBENTAUCHER KINDERZIMMERHELD MÜHLENBACH WOHLFÜHLGESELLSCHAFT FJELLBIRKENWALD

 

 

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 LITERATUR

 

1 Herta Müller, Jo Lendle (Hrsg.): Es gibt Wörter, die machen mit mir, was sie wollen. Akzente 3/2015. Hanser Verlag

<

p style=“text-align: justify;“>2 Jon Kabat-Zinn: Zur Besinnung kommen. Die Weisheit der Sinne und der Sinn der Achtsamkeit in einer aus den Fugen geratenen Welt. Arbor Verlag 2006